Trinkgeld, Kostenvoranschlag & Co.: 5 Tipps für einen souveränen Umgang mit Handwerkern

Tropft mal wieder Ihre Spüle oder ist die Regenrinne abgerissen? Die Heimwerker unter Ihnen freuen sich in einem solchen Moment vielleicht, endlich mal wieder den Werkzeugkasten und die Leiter aus dem Keller zu holen und sich selbst ans Werk zu machen. Haben Sie – ob Mann oder Frau – jedoch zwei linke Hände, was das Handwerk betrifft, bleibt Ihnen meist nur die Google-Suche. Oder der Griff zum Telefon, um einen Profi anzuheuern.

Was sich im ersten Moment recht einfach anhört, kann Sie jedoch im Nachhinein eine ganze Menge Nerven und auch Geld kosten. Denn: So viele sympathische, kompetente und grundehrliche Handwerker und Handwerkerinnen in Deutschland ihren Lebensunterhalt verdienen, so viele langsame, unfreundliche und manchmal auch betrügerische Individuen bereiten Ihnen im selben Geschäft viel Kummer. Wenige wollen Sie ogar übers Ohr hauen. In einer Kostenübersicht zeigen wir Ihnen deshalb auch, wie viel Handwerker wirklich Kosten dürfen.

Damit das nicht passiert und Sie stattdessen auf alles vorbereitet sind, haben wir Ihnen im folgenden Text fünf Tipps zusammengestellt, mit denen Sie sich von der Vorsorge bis zur Arbeitsabnahme einerseits rechtlich absichern können. Andererseits werden Sie nach diesem Text viel entspannter mit Dienstleistenden umgehen können. Und dazu geben wir Ihnen noch einen kleinen Leitfaden zum Trinkgeld mit auf den Weg. Ist es überhaupt üblich, Handwerkern ein solches zu geben? Und wenn ja, wie hoch sollte es sein?

Handwerker-Tipp #1 Vorsicht statt Nachsicht

Vorbereitung ist alles. Wie für viele Bereiche des Lebens gilt das auch für den Umgang mit bestellten Handwerkern. Deshalb bietet es sich an, für einen solchen Fall vorzusorgen – noch bevor in Ihren vier Wänden Reparaturbedarf besteht.

Halten Sie die Augen offen nach vertrauenswürdigen und zuverlässigen Handwerksbetrieben in Ihrer Region. So minimieren Sie die Gefahr, im Reparaturfall einem Betrüger aufzusitzen – und unterstützen nebenbei noch das lokale Gewerbe. Notieren Sie sich, wenn vorhanden, auch die Notfallnummern der Betriebe, um abgesichert zu sein, wenn etwas nicht bis zum nächsten Morgen warten kann.

Sie haben die Vorsorge versäumt und suchen jetzt akut einen Handwerker zur Reparatur eines Schadens? Kein Problem, oft können Sie sich durch die Existenz einer Website und einer gültigen Anschrift schon sicher sein, keinen Betrüger zu engagieren. Sinnvoll ist es aber allemal, sich jene Anschrift und die Steuernummer des Handwerkers oder des Unternehmens zu notieren. Denn: Sollte Ihnen nach Bezahlung des Profis erst auffallen, dass die Rechnung viel zu hoch war, haben Sie nur mit diesen Daten und mit Hilfe der Verbraucherzentrale eine Aussicht darauf, das zu viel gezahlte Geld erstattet zu bekommen.

Besonders bei kleineren Betrieben sollte Sie sich außerdem im Vorfeld darüber informieren, ob eine Betriebshaftpflichtversicherung vorliegt. Ist das nämlich nicht der Fall, kann es passieren, dass Sie bei (schwerwiegenden) Mängeln auf eigene Kosten ein anderes Handwerksunternehmen mit der Ausbesserung beauftragen müssen, da der erste Betrieb aufgrund der hohen Kosten Insolvenz anmelden musste.

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Handwerker-Tipp #2 Hierarchien klarstellen

Auch abseits der grundsätzlichen rechtlichen Risiken in Bezug auf unterschiedliche handwerkliche Dienstleistungen fühlen sich viele Menschen unwohl beim Gedanken, einen Fremden ins eigene Heim zu lassen. Damit der oder die dann etwas in ihrem Auftrag repariert oder baut, von dem sie selbst keine Ahnung haben. Nochmals: Die meisten Handwerksbetriebe beschäftigen ausschließlich kompetente und vertrauenswürdige Leute und die Angst ist unbegründet!

Doch speziell Frauen fürchten das Klischee: Der Handwerker kommt, trifft auf eine Frau allein daheim, versteht die Situation falsch und versucht sich in anzüglichen Sprüchen, die stark in Richtung sexuelle Belästigung gehen – statt kostengünstig die Spüle, die Fliesen, Türen oder Wände zu reparieren oder zu renovieren. Auch so mancher Mann hat keine Lust auf abfällige Bemerkungen – und sei es nur wegen etwaig mangelnder handwerklicher Fähigkeiten.

In diesen Fällen der Überschreitung hilft nur: Drüber stehen und gegebenenfalls sofort mit rechtlichen Schritten drohen. Machen Sie deutlich, wie das Dienstleistungsverhältnis aussieht. Sie sind der Auftraggeber und somit der Chef! Der Handwerker ist lediglich der Dienstleister. Es gibt Bemerkungen, die sind unangebracht. Wenn Sie souverän bleiben und diese Fakten eindeutig darlegen, bleibt dem Gegenüber meist nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen und klein beizugeben.

Sollten Sie sich dennoch unwohl fühlen, bleibt jederzeit die Möglichkeit, einen Freund oder eine Freundin zu bitten, Ihnen während der Reparaturen Gesellschaft zu leisten. So haben Sie außerdem im Ernstfall einen Zeugen.

Handwerker-Tipp #3 Eigenes Wissen über Schäden aneignen

Es schadet nie, sich bei einem Schaden im eigenen Haus grob darüber zu informieren, was passiert ist, was zur Reparatur nötig ist, und vor allem, wie die grobe Preisspanne für einen verbindlichen Auftrag aussieht. Denn: Wer ahnungslos ist, lässt sich leichter übers Ohr hauen. Eine Google-Suche ist meist schon ausreichend. Wer aber das Glück hat, Heimwerkerfreunde zu haben, kann diese auch um eine kurze Einschätzung bitten. Oft reicht dazu ja ein Smartphone-Foto.

Auch während der Reparaturarbeiten durch den Handwerker sollten Sie stets dafür sorgen, grob im Bilde zu sein. Lassen Sie sich Arbeitsschritte, die Sie nicht verstehen, erklären, natürlich ohne den Profi zu stören oder ihn von der Arbeit abzuhalten. Fordern Sie aber besonders dann eine Darlegung des Vorgehens, wenn Ihnen etwas komisch vorkommt.

Wichtig: Lassen Sie sich nicht mit Fachchinesisch abspeisen. Es kommt vor, dass Betrüger so ihre eigentlichen Machenschaften verschleiern. Ganz nach dem Motto: Der Amateur hat ja sowieso keine Ahnung, wovon ich rede. Geben Sie sich dementsprechend erst zufrieden, wenn Sie glauben, das Vorgehen verstanden zu haben und es Ihnen gerechtfertigt erscheint.

Handwerker-Tipp #4 Kostenvoranschlag geben lassen

Um beim Anblick der Rechnung nicht vom Schlag getroffen zu werden, bietet sich ein Kostenvoranschlag an. Einen Kostenvoranschlag anzufordern, kostet Sie bei seriösen Betrieben in der Regel nichts, bringt aber viel. Denn damit können Sie einerseits unverbindlich vor Abschluss eines Vertrages sehen, welche Kosten in etwa auf Sie zukommen, wenn Sie später bezahlen. Anderseits haben Sie so die Möglichkeit, die Kostenvoranschläge mehrerer Betriebe zu vergleichen und den für Sie passenden (es muss nicht immer der günstigste sein) auszuwählen.

Wichtig: Prüfen Sie nicht nur die Preise der verschiedenen Kandidaten, sondern auch den Inhalt der Voranschläge. Vielleicht werden dort eine Leistung und Materialien berechnet, die Sie gar nicht benötigen. Bei verschiedenen Angeboten kann auch wieder ein Heimwerkerfreund beraten.

Haben Sie sich für einen Handwerksbetrieb entschieden? Dann sorgen Sie unbedingt dafür, dass der von Ihnen gewünschte Umfang, der dafür vorgesehene Ausführungstermin und die beschlossene Vergütung schriftlich festgelegt und natürlich von beiden Parteien unterschrieben werden. Das spart in der Zukunft Ärger. Sollte es zu weiteren abweichenden Absprachen während der Arbeit kommen, ist es ratsam, einen eigenen Zeugen dabei zu haben. So ist man für den Ernstfall abgesichert.

Dies schützt Sie jedoch nur bedingt vor bösen Kostenüberraschungen. Erst wenn die Rechnung in etwa 15-20 Prozent der veranschlagten Kosten überschreitet, können Sie den Werkvertrag aus diesem Grund kündigen. Freuen Sie sich aber nicht zu früh: Zuvor vereinbarte Teilleistungen, die schon erbracht wurden, müssen Sie trotzdem zahlen.

Sie wollen nur das zahlen, was Sie vorher mit dem Handwerker vereinbaren? Dann legen Sie schriftlich einen Festpreis fest, dann kennen Sie den Betrag von Anfang an.

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Handwerker-Tipp #5 Ergebnis prüfen und Rechnung fordern

Nach der Arbeit kommt die Kontrolle. Die ist natürlich Ihre Aufgabe. Prüfen Sie also ganz genau, ob der Handwerker die vereinbarten Leistungen erbracht hat oder etwaige Mängel vorliegen. Sollten Sie Fehler entdecken, dokumentieren Sie sie unbedingt schriftlich und per Foto, um im Streitfall Beweise vorzeigen zu können. Mängel müssen übrigens innerhalb eines angemessenen Zeitraums vom Verursacher beseitigt werden – und das kostenlos. Geschieht das nicht, haben Sie das Recht, auf Kosten des ursprünglichen Vertragspartners einen anderen Handwerksbetrieb zu beauftragen. Der kann das Projekt fertigstellen. Daher: Eine Kontrolle ist unerlässlich, bevor Sie eine Rechnung bezahlen.

Stichwort Rechnung: Bestehen Sie beim Bezahlvorgang konsequent darauf! Sollte der Handwerker Ihren gesetzlichen Anspruch verweigern und auf eine Bezahlung in bar bestehen, müssen bei Ihnen die Alarmglocken schrillen. Seriöse Dienstleister arbeiten ausschließlich auf Rechnung und zahlen Steuer. Lassen Sie sich in dieser Situation nicht unter Druck setzen und geben Sie nicht nach. Seien Sie mutig und rufen Sie im Ernstfall die Polizei.

Souveränität und Wachsamkeit im Umgang mit Handwerkern ist wichtig

Handwerker sind super. Sie sind nett, zuvorkommend, kompetent. Und glücklich, wenn man ihnen einen Kaffee und einen Teller Kekse hinstellt und sie in Ruhe ihre Arbeit machen lässt. Das gilt zumindest für die meisten in diesem Gewerbe.

Eignen Sie sich für alle Fälle aber besonders zu Beginn eines Dienstleistungsverhältnisses eine gewisse Wachsamkeit an, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Sorgen Sie dafür, dass Sie während der gesamten Arbeitszeit Herr (oder Frau) der Lage bleiben und beachten Sie unsere fünf Tipps.

Sollte es im unwahrscheinlichen Fall dennoch zu Streitigkeiten in Bezug auf die erbrachten Leistungen oder zu hohe Kosten kommen, haben Sie die Möglichkeit, sich rechtlichen Rat bei den Sachverständigen der Verbraucherzentrale einzuholen.

Kleiner Knigge: Und was ist mit einem Trinkgeld für Handwerker?

Auch bei Handwerksprojekten ist es durchaus üblich, den Arbeitern nach Vollendung des Werks einen kleinen Obolus mitzugeben. Wie hoch das Handgeld ausfällt, liegt dabei ganz in Ihrem Ermessen. Eine Rolle spielt hierbei natürlich auch die Qualität des Projektergebnisses sowie die Kommunikation mit dem oder den Handwerkern. Die unter anderem in der Gastronomie üblichen zehn Prozent gelten hier aber nicht als Faustregel. Denn: Ob klein oder groß, Handwerksprojekte sind teuer. Zehn Prozent Trinkgeld wäre hier eine beachtliche Summe.

Stattdessen werden Festbeträge empfohlen. Abhängig von der Anzahl der Arbeiter und natürlich auch Ihrer finanziellen Lage empfehlen sich bei kleineren, eintägigen Projekten fünf bis 15 Euro. Bei mittelgroßen, mehrtägigen Handwerksarbeiten sind in diesem Zusammenhang 20 bis 30 Euro sowie bei Großprojekten, beispielsweise einer Hausrenovierung, 20 bis 50 Euro Trinkgeld pro Handwerker angemessen.

Sie müssen jedoch nichts zahlen. Sollte Ihr Geldbeutel es nicht zulassen oder sollten Sie schlichtweg unzufrieden mit den Handwerkern und/oder deren Arbeit sein, dann zahlen Sie nur das, was Sie zahlen müssen. Trinkgeld ist eine Zugabe, auf die wohl kein Handwerker bestehen wird.